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Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt.
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Die wilde Geschichte vom Flacker-Haus! |
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Tipp des Tages
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Das kurze Video mit den "Xmaslights" dürfte seit dem Jahr 2005 zu den
meistgesehenen Filmen der Welt zählen. Von Büro zu Büro hat sich das
wummernde Flacker-Weihnachts-Disco-Haus um den Globus verbreitet, traf
auf ungläubiges Staunen und schlichten Unglauben: Echt? Fälschung?
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Der Ruhm dieser - wie soll man so etwas nennen? -
"Weihnachts-Präsentation" erreichte selbst Menschen, die sonst nichts
mit dem Internet zu tun haben.
Und was bekamen die zu sehen?
Ein großes, stolzes Einfamilienhaus in dunkler Nacht. Dann hebt
die Musik an, und im Rythmus flackern und erstrahlen Lichter. In einer
Kakophonie von Weihnachts-Trashmusik ("Wizard in Winter"), wandernden
Lichtern, Suchscheinwerfern und Flashlights tanzt dieses Haus
regelrecht, erschießt das Weihnachtsfest mit Laserbeams. "Das", schrieb
mehr als nur ein Leser, "müssen Sie sich ansehen. Das ist der absolute
Wahnsinn! Das schlägt alles!"
Wohl wahr. Aber ist es auch echt?
Ein häufig geäußerter Zweifel. "Deren Nachbarn", schrieb ein
Leser, "kommen ja wohl überhaupt nicht mehr zum Schlafen." Der deutsche
Einfamilienhausbesitzer unterstellt da schnell Mordgelüste, als wäre so
etwas eine normale Reaktion. Oder aber das Video sei eine Montage, denn
digital sei ja wohl vieles möglich.
Zwei Leser von SPIEGEL ONLINE, die es nach Ohio verschlagen
hatte, wussten direkt am ersten Tag mehr zu berichten: Ja, das Video
sei echt. Und nein, Lärm entstehe dabei nicht, denn die zur strahlenden
Lightshow gehörige Beschallung bekomme man per Autoradio, wenn man an
dem Haus vorbeifahre. Richtiger Hightech-Trash, sozusagen.
In der Tat, so ist das wohl. Der Film, der nun gerade in
Europa die Runde macht, stammt aus dem Jahr 2004; der zweite mit der
verstrahlten "Jingle Bells"-Adaption, den manche Leser weiterreichten,
aus diesem. Carson Williams heißt der Vater dieser monumentalen
Weihnachts-Displays, und für eine kleine Weile haben sie ihn zu einem
richtigen Star gemacht in den USA.
Über das "Wizards"-Video bekannt geworden, durfte er gleich in
mehreren Radio- und Fernsehinterviews erklären, wie er mittels einer
88-Kanal-Lichtorgel, die ein amerikanischer Hersteller nur für solche
Zwecke entwickelt hat, und über 16.000 (im Jahr 2004) respektive
25.000 Glühbirnen (im Jahr 2005) die Adventsnächte zum Tag machte.
Dass sein Video, das er selbst in Umlauf gebracht hatte, zu so
einem weltweiten Erfolg wurde, ist eine typische Internet-Geschichte.
Eigentlich hatte Williams das Ding bereits im "Januar oder Februar"
2005 in einem Forum veröffentlicht: Quasi als Andenken an die
erfolgreiche Weihnachtsaktion des letzten Jahres.
Dort hatten einige wenige Forumsmitglieder ihren Spaß damit - und nichts weiter geschah.
Eine weihnachtliche Web-Karriere
Irgendwann Anfang November 2005 hingegen - ganz hellhörige
Zeitgenossen begannen gerade, das nahende Bimmeln der
Weihnachtsglöckchen zu erahnen - erinnerte sich ein Unbekannter an das
lustige Forums-Posting des Vorjahres und schickte es einem Freund.
Der Rest ist Lawine.
Wenige Tage später gab es das Video auf wahrscheinlich
Hunderten von Webseiten, war es wohl mehrere Millionen mal
weitergegeben und heruntergeladen worden.
Carson Williams bastelte zu diesem Zeitpunkt schon wieder an
seinem nächsten Display, basierend auf den selben Dekorationen. Allein
die Zahl der Glühbirnen war seit dem Vorjahr auf 25.000 gestiegen, die
Kosten auf rund 10.000 Dollar.
Wie im Jahr zuvor wollte er Sound ("Jingle Bells", sowie ein
Medley aus "Frosty the Snowman", "God Bless the USA" und "Wizard in
Winter") und Lichter perfekt synchronisieren. Zur Schonung der
Nachbarschaft nahm er wieder einen schwachen UKW-Sender in Betrieb, mit
dem man sich den Sound fett ins Autoradio holen konnte. An
Thanksgiving, dem klassischen amerikanischen Familienfest, das auch die
Winterzeit einläutet, begann für ihn die Disco-Saison.
Und sie wurde zu einem satten Erfolg. Jeden Tag wurden die
Autoschlangen länger, das Licht-Display ging zu einem geregelten
Betrieb von 18 bis 22 Uhr über: "Showtime!"
Traum wird Albtraum
Anfang Dezember wuchsen die Schlangen zu veritablen Staus heran, doch
Berichte erntete Williams nicht nur in den Staumeldungen. Von den
"Dayton Daily News" über CBS bis hin zu obskuren lokalen Radiosendern
in Idaho berichtete halb Medien-Amerika über das "Griswold House" in
Deerfield nahe Mason, Ohio.
Mit einem Mal war Williams so etwas wie ein Star. Das
"Trans-Siberian Orchestra", das die grässliche Weihnachts-Weise vom
"Wizard in Winter" zu verantworten hat, ließ Williams als Stargast zu
einem Konzert ausfliegen. Miller-Beer klingelte an und begann über
einen Werbevertrag für das Hausvideo zu verhandeln. Carson Williams,
Familienmensch, Computerfreak und Vater zweier jetzt sehr stolzer
Töchter, genoss seinen Erfolg. Dem Fernsehsender CBS sagte er Anfang
der zweiten Dezemberwoche: "Gestern gabs mich elf Seiten tief bei
Google!"
Kein Wunder. Williams Know-how war mit einem Mal gefragt. Nein, in
Vor-digitalen Zeiten wäre so etwas nie möglich gewesen, antwortete er
den Reportern. Klar, kein Problem, gerne würde er zeigen, wie man so
etwas auf die Beine stellt. Sprachs und veröffentlichte die Schaltpläne
im Web.
Nur Ärger wollte Williams nie. Die Staus begannen zu nerven, der
Medienandrang wurde ein wenig unheimlich. Am Montag, dem 5. Dezember
sagte er in einem Interview, er würde seine Lightshow sofort
ausschalten, wenn seinen Nachbarn oder irgendwem sonst dadurch Schaden
entstünde.
Am Tag darauf, am Dienstag, 6. Dezember, war es soweit.
Der Anfang vom Ende begann gegen 19.30 Uhr. Das Gedränge der
Schaulustigen verdichtete sich zum inzwischen üblichen abendlichen Stau
in Deerfield, Ohio. Dann krachte es, Blech knitterte, niemand wurde
verletzt. Jemand zückte ein Telefon, rief um Hilfe: Das ganz normale
Procedere nach einem Auffahrunfall.
Nur kam keine Hilfe.
Denn Sheriff Ed Petrey hing fest: Zwischen ihm und dem Ort, an dem
er seine Pflicht erfüllen sollte, lag Carson Williams Haus. Der Weg von
A nach B wäre allenfalls noch zu Fuß zu bewältigen gewesen.
Am nächsten Morgen ließ Williams durch das Büro des Sheriffs
mitteilen, dass die Lichter an seinem Haus "für immer" verlöschen
würden, und Hunderte von Zeitungen, Radio- und TV-Stationen, noch weit
mehr Webseiten und Pod-Casts berichteten darüber. Nur Carson Williams
hat sich seitdem nicht mehr öffentlich geäußert.
So endet die Geschichte vom wilden Weihnachts-Flacker-Haus nicht
als weihnachtliches Märchen, denn die haben immer ein Happy End.
Vielleicht tröstet es Williams ja, dass es von seiner verloschenen
Weihnachts-Lichterorgie nun Millionen von Kopien gibt. Und wer weiß?
Vielleicht ist das ganze ja sogar eine Story, zu der jemandem noch ein
bittersüßes Happy-End einfällt: Demnächst in Ihrem Kino?
Hier
könnnen Sie klicken, um den Film zu sehen. Voraussetzung ist eine
DSL-Verbindung, sonst wird es sehr lange dauern, um den Film zu sehen,
denn er ist 5 Megabyte groß. Lets fetz!
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